
Die fünfte Ausgabe des Berichts The New Habitat 26/27, vorgestellt von APE Grupo in Madrid, bestätigt einen tiefgreifenden Wandel im Raumdesign: Das körperliche und seelische Wohlbefinden der Menschen ist für Architekt:innen und Innenarchitekt:innen zum wichtigsten Kriterium geworden – noch vor Ästhetik oder Funktionalität.
Mehr als 74 % der Fachleute der Branche sind überzeugt, dass Design das Wohlbefinden der Menschen steigert, und stufen es deshalb als Priorität ein – in einem gesellschaftlichen Kontext, der von Einsamkeit, Unsicherheit und emotionalen Herausforderungen geprägt ist. Design wird so zu einem strategischen Werkzeug mit Einfluss auf Gesundheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaft.
Der Bericht wurde gemeinsam mit Futurea und in Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem COAM, CGCODDI, WOD, Bernardí und der Fundació del Disseny erstellt. Er bündelt die Perspektiven von zehn internationalen Expert:innen sowie 360 Fachkräften des spanischen Designs. Funktionalität wird dabei neu interpretiert – angepasst an individuelle Lebensrhythmen und emotionale Bedürfnisse. Rentabilität definiert sich als Fähigkeit, Bindungen zu schaffen. Nachhaltigkeit wird technisch und strukturell gedacht, wobei Kund:innen bereit sind, durchschnittlich 24,4 % mehr für nachhaltigere Lösungen zu zahlen. Für das kommende Jahr wird ein weltweiter Anstieg der Designinvestitionen um 18,3 % erwartet.
Wohnen: auf dem Weg zu multifunktionalen und resilienten Räumen
Das Zuhause entwickelt sich zum Lebensmittelpunkt, in dem Arbeit, Freizeit und Selbstfürsorge integriert sind. 32 % der Fachleute sehen Flexibilität und Inklusivität als Schlüsselaspekte des Wohnungsdesigns. Angesichts des Wachstums von Einpersonenhaushalten und dem Aufkommen von LAT-Beziehungen sind flexible und anpassbare Wohnlösungen gefragt.
Auch das resiliente Bauen gewinnt an Bedeutung – als Antwort auf Naturkatastrophen. Wohnräume müssen mit adaptiven Materialien und Strukturen auf den Klimawandel reagieren. Für den Wohnsektor wird ein Investitionsanstieg von 16 % prognostiziert, wobei Nachhaltigkeit im Mittelpunkt steht.
Hotellerie: Inklusion und Erlebnis als Differenzierungsfaktoren
In der Hotelbranche bestimmen Empathie, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit zunehmend das Design. Die Räume passen sich an vielfältige Zielgruppen an – von neurodivergenten Personen bis hin zu Mehrgenerationenfamilien – und orientieren sich an einem Tourismus, der authentische Erlebnisse über konventionellen Komfort stellt.
Hostels entwickeln sich zu gepflegten und kulturell geprägten Umgebungen, während Hotels verstärkt auf hybride und personalisierte Räume setzen. Im Hospitality-Sektor wird ein Investitionsplus von 21,5 % in Design erwartet.
Büros: vom Schreibtisch zum Wohlfühl-Ökosystem
Büros entwickeln sich zu Umgebungen, die Zusammenarbeit, Kreativität und Zugehörigkeit fördern. Gesundheit, Ergonomie und menschliche Verbindung stehen im Zentrum neuer Konzepte wie dem Workshop Lab oder dem Workplace Ecosystem. Für 2025 wird ein Anstieg der Designinvestitionen im Bürobereich um 16,3 % erwartet.
Einzelhandel: Erlebnisse jenseits des Konsums
Angesichts des wachsenden Onlinehandels positioniert sich der stationäre Einzelhandel neu – als emotionaler und gemeinschaftlicher Raum. Geschäfte und Einkaufszentren werden zu Orten der Begegnung, der Kultur und des Wohlbefindens – auch für Mitarbeitende. Die Investitionen in das kommerzielle Design sollen um 20 % steigen.